
Nicht mit ansehen können
Die Station Sieben hat mich dann betroffen gemacht. Jesus bricht das zweite Mal unter dem Kreuz zusammen. Die Gestalt links hält ganz bewusst den Arm vor die Augen! Wie wenn er damit zum Ausdruck bringt: Ich kann das nicht mehr ansehen. Ertrug er den Anblick des leidenden Jesus nicht mehr, oder wurde ihm bewusst, dass dieser Jesus wegen seiner Schuld soviel leidet, und wollte dies nicht sehen.
Ich fragte mich: Verschliesse ich oft auch nicht meine Augen vor meiner eigenen Schuld. Die Schuld der andern sehe ich wohl. Will ich nicht hinsehen, wie es um mich steht. Und wie bitter nötig auch ich Jesus habe?
Fredy
Stillstand, und dann entsteht Neues
Am Anfang der Krise war ich noch unvorsichtig bez. Distanzhalten. Als mir der Ernst der Lage bewusstwurde, erlebte ich ein paar Nächten einige beklemmende Stunden, wo ich wach lag und die Angst spürte, die hochkroch. Auch wegen meiner Frau, die doppelt zur Risikogruppe gehört, Alter + Vorerkrankung. In dieser Zeit erstellten wir eine Mappe mit allen wichtigen Dokumenten «für den Fall». Ebenfalls in dieser Zeit begegneten uns im täglichen fortlaufenden Bibelstudium Texte, die genau in unsere Situation passten. Wie z.B. Luk. 12.4: «Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und danach nichts mehr tun können.» Das Virus gehört auch zu «denen».
Wir empfanden noch etwas Anderes. Dass jetzt eine besondere Zeit ist, die wir nutzen wollen. Denn Türen sind offen, die vorher verschlossen waren. So haben wir einige Briefe geschrieben, wie z.B. an meine älteste Schwester, die ein Hoch-Risikopatient wäre. Wie manches Mal haben wir sie und ihren Mann besucht, in der Hoffnung, wir kämen auf das zu sprechen, was uns am Herzen lag, den Glauben an Christus. Und es geschah fast nichts. Jetzt hatte ich die Freiheit, sie in einem Brief zu bitten, an Jesus zu glauben und das Leben zu wählen. Dann flehten wir zu Gott, dass sie das Wort annehmen möchten. Tage später erhielt ich ein Telefon, wo sie sich für den Brief bedankten. Wie dankbar wir waren!
Hans

